#SCHREIGEGENMOBBING – Mobbing ist Tatsache

Nachdem mein Partner und ich nun inzwischen 3 Staffeln von Glee gesehen haben wurde ich auf ein Schweres Thema aufmerksam gemacht und daran erinnert, dass es mich lange Zeit selbst 15320480_1468139076549561_34047335_nbegleitet hat.
Mobbing. Wir begegnen diesem Thema täglich. Sei es im Fernsehen, in den sozialen Medien, auf Arbeit oder in der Schule. Mobbing ist allgegenwärtig. Und wir alle sind zu feige aufzustehen. Einzuschreiten. Wir sind zu Beobachtern mutiert, die nicht mehr den Arsch in der Hose haben, gegen das aufzustehen, was wir für schlecht erachten.
Stattdessen beschäftigen wir uns mit den Ergüssen der Reichsbürger die uns jeden Tag aufs neue eintrichtern wollen, dass die BRD kein Staat ist und unser Personalausweis keine Gültigkeit hat.
Das Frau Merkel eine schlechte Bundeskanzlerin sei und wir doch die AFD brauchen. Und so weiter…
Diese Themen ermüden. Und sie sind bei weitem nicht so relevant, wie einige zu denken glauben. Ich möchte ein wenig aus meiner „Jugend“ erzählen. Dinge, an die mich o.g. Serie erinnert hat. Dinge, die man nie vergessen wird, wenn man sie einmal erlebt hat. Handlungen, welche dafür sorgen, dass Du ein Leben lang vorsichtig mit anderen Menschen umgehst. Denn diese könnten Dich verletzen.

Dieser Blogger als Kind

Ich hatte bereits in der Grundschule Probleme mit anderen Kindern Kontakte zu knüpfen welche ernsthaft waren. Ich war immer der zurückhaltende Junge, welcher sich am liebsten mit Lehrer auseinander gesetzt hatte. Von ihnen konnte man lernen. Nur durch zuhören.
Es gab da zum Beispiel zwei Lehrerinnen, welche ich immer toll fand. Die eine war klein und hatte ein paar Pfunde auf den Hüften und immer Blond gefärbt. Nie war auch nur der Ansatz von der Naturhaarfarbe zu erkennen. Und sie war eine Lehrerin, die sich um alle Schüler sorgte, die traurig zu sein schienen.
Dabei spielte die Klassenzugehörigkeit keine Rolle. Sie hatte mir immer Mut gemacht. Egal was war. Egal wie traurig ich war.
Und dann war da meine Musiklehrerin. Sie war immer sehr erheiternd. Ich bin gerne, wenn sie Hofaufsicht hatte, in ihrer Nähe gewesen. Sie strahlte immer Positivität aus. Immer gut gelaunt. Und für jeden Schüler ein Lächeln auf den Lippen. Sie erzählte viel. Gerade wenn es um Musik ging. Was sie gerne machen wollte. Wie sie den Schülern was zeigen wollte. Und so weiter.
Aber es gab auch ein Negativbeispiel. 
Was machst Du? Wenn Deine eigene Klassenlehrerin Dich schlecht behandelt? Dich fest am Arm packt und Dich schüttelt weil Deine Handschrift schrecklich ist oder Du eine Aufgabe nicht verstehst? Was machst Du wenn sie Dir an den Ohren zieht, weil Du unterwegs ausgerutscht und in Schnee gefallen bist und deshalb zu spät kamst?
Nichts. Was willst Du als 9-Jähriges Ding auch machen. Und wenn dann noch die Schüler kommen, wird es nur noch schlimmer.
Sie verstecken Deine Sachen oder machen Dinge von Dir kaputt. Sie Hänseln Dich weil Du nicht die schönen und tollen Dinge hast, die sie besitzen. Was hättest Du damals für eine Schachtel Pelikan Fineliner getan. Oder die guten Faber Castell Filzstifte. Vieles.
Du wusstest aber, dass ihr euch das nicht leisten konntet und es war okay für Dich. Irgendwie jedenfalls.

Materialismus AHOI

Du warst nicht beliebt wenn Du nicht die neuesten und tollsten Sticker mit Glitzer oder aus Kork hattest. Ich wusste nicht mal wo man diese herbekommt. Aber noch viel Schlimmer als das bisher genannte ist es, wenn Du glaubst Du hast jemanden gefunden, mit dem Du Dich verstehst.
Der Mitschüler lädt Dich zu sich ein. Ihr habt Spaß mit rumalbern und Videospielen. Die Eltern scheinen Cool drauf zu sein. Doch am nächsten Tag, schubst er Dich mit ein paar anderen in den Dreck.
Und Du bist wieder alleine.
Und so zog es sich bis zum Ende der Schulzeit. Und es wurde von Jahr zu Jahr schlimmer. Als dann die eigenen Unsicherheiten auftraten, was die Sexualität betrifft wurde es schlimmer. Die Leute beleidigen Dich. Sie schubsen Dich umher. Es ist ihnen egal was mit Dir passiert.
Sie stellen Vermutungen an und darauf stützen sie ihre Quälereien. Solange, bis Du nach einer Schlägerei über eine Straße rennst und Dir wünschst, dass ein Auto dem Ganzen ein Ende setzt. So sehr, weil Du es nicht mehr erträgst das Objekt der „Begierde“ anderer zu sein.
Du sehnst das Ende so sehr herbei, dass Du in 80 % Deiner Zeit darüber nachdenkst, wie Du es beenden kannst, wenn Dir nicht mal ein Auto den gefallen tut. Du denkst über Tabletten nach. Über Rasierklingen. Über hohe Gebäude und Strommasten. Auf letzteren steigst hinauf um es wenigstens zu versuchen. Denkst aber kurz vor dem Sprung an den Menschen, der Dir am meisten bedeutet. Wie traurig dieser Mensch wäre. Wie sehr er darunter leiden würde. Und dazu auch die Angst vor dem danach.
Und so zieht es sich durch Dein Leben. In der Ausbildung bist Du bereits abgehärtet. Und dennoch bringt diese andere Hürden mit sich und Du beginnst, aufgrund des bisherigen Mobbings, die Schuld immer bei Dir zu suchen. Denn es hieß ja immer »Du bist doch selbst Schuld wenn Du nicht aufstehst oder Hilfe bei anderen suchst« oder »Dann musst Du Dich halt ändern, wenn Du willst, dass es aufhört« und ähnliches. Irgendwann denkst Du auch, dass es nur an Dir liegt. Und das geht bis in das Arbeitsleben weiter. Und dann so lange bis Du daran zerbrichst oder endlich merkst »Hey. Du kannst nichts dafür. Du bist toll wie Du bist. Steh auf und tu etwas.«

Das Erwachen

Am gefühlt tiefsten Punkt meiner Mobbing Erlebnisse bin ich dann aufgestanden und ich habe mehr mit diesem aufstehen bewirkt als ich erwartet hätte. Es hat gedauert, bis die Änderungen eingetreten sind, aber sie sind eingetreten. Und inzwischen lasse ich mir Dinge nicht mehr so leicht gefallen wie noch vor 4 Jahren. Im Gegenteil: es gehört inzwischen dazu, auf Unfairness zu reagieren oder Personen eindeutig ihre Grenzen aufzuzeigen. Und nichts ist schlimmer, als eine Person nicht zu beachten, welche einem Unrecht tut. Jedenfalls für die Person nicht.
Und nun kommen wir zu dem Problem unserer Gesellschaft: nicht jeder kommt da durch. Nicht jeder hat die Kraft den Suizidgedanken abzuschütteln. Ihm zu widerstehen auch wenn es nur für einen lieben Menschen ist. Jährlich bringen sich unzählige Jugendliche auf den verschiedensten Wegen um, um ihrem Leid einem Ende zu setzen. Und auch Erwachsene greifen immer öfter zum Abschluss. Nur weil wir aufgehört haben, auf die Zeichen zu achten. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diese Zeichen immer da sind. Betroffene geben die Zeichen bewusst. Sei es ein banaler tweet, eine Änderung im Verhalten oder eine direkte Androhung.
Statt bei einer offenen Androhung zu sagen »Du tust es ja doch nicht also willst Du es nicht wirklich« ist in meinen Augen Beihilfe zum Suizid und unterlassene Hilfeleistung. Gerade im Internet stolpert man sehr häufig über solche Kommentare. Und den Menschen wird einfach nicht bewusst, dass es ernstzunehmende Hilferufe sind. Und der einzig richtige Weg ist die Polizei anzurufen wenn man die Person nicht kennt oder die Person aufzusuchen sollte man mit ihr im realen Leben in Kontakt stehen.
Die Belastbarkeit der Psyche ist bei jedem Menschen unterschiedlich und in vielen Fällen reicht ein  banaler Vorfall aus, dass die Psyche sagt ‚Ich kann und will nicht mehr. Ich setze dem allen ein Ende. HELFT MIR!‘ und gibt oft auch unbewusst Zeichen auf. Nicht jeder kennt alle Optionen um Hilfe zu bekommen. Viele trauen sich auch nicht, aus Angst nicht ernst genommen oder noch ein größeres Opfer von Mobbing zu werden, um Hilfe zu bitten. Und bei den eigenen Eltern ist es am schwierigsten.
Mobbing ist nicht nur was schlechtes, sondern kommt überall vor. In der Schule, am Ausbildungs- und Arbeitsplatz, in der Familie, in Gruppen und und und. Die Möglichkeiten sind endlos. Und es liegt an uns eine Gesellschaft zu formen, in der dies nicht toleriert oder verharmlost wird. Kein »Ist doch alles nicht so schlimm« oder »Andere Kinder machen noch schlimmeres durch.«
Das hilft den betroffen GAR NICHT.

Alle müssen helfen!

Es wird Zeit, dass wir alle aufstehen und bei Mobbing einschreiten. Egal wie alt wir sind. Es ist unsere Pflicht den Leuten zu helfen, die offensichtlich unsere Hilfe brauchen. Wir müssen uns zwischen die „Opfer“ und die „Aggressoren“ stellen um etwas zu bewirken. 
Dabei dürfen wir allerdings nicht unsere Faust erheben. Unsere Worte sollten Waffe genug sein und hilft dies nicht, gibt es andere Möglichkeiten, die wir in Betracht ziehen können um den Betroffenen zu helfen und auch zu beschützen. Mobbingopfer fallen oft früher oder später in eine Depression die nur schwer zu überwinden ist. Es kann bereits mit zarten sieben Jahren passieren aber auch erst mit vierzig. Egal wann es passiert: diese Menschen brauchen Unterstützung. Und keine leeren Worte die uns aufzeigen wie schlecht es anderen geht.
Den gemobbten Menschen geht es im Moment schlechter als jeden anderen. Und das haben wir zu beherzigen.

Du bist nicht allein!

Solltest Du, lieber Leser, aktuell Opfer von Mobbing sein oder eine solche Zeit hinter Dir haben, würde mich Deine Geschichte sehr interessieren. Vielleicht magst Du sie ja mit der Welt teilen und zeigen, dass es etwas ist, worauf wir reagieren müssen und dass wir das gemeinsam durch- und überstehen können.
Schicke mir einfach eine Nachricht auf Facebook unter http://www.facebook.com/sinnesbolognese oder eine Mail an Kontakt at sinnesbolognese.de . Unter dem Hashtag #SCHREIGEGENMOBBING werde ich im Laufe der Zeit eingehende Geschichten veröffentlichen und auch in den sozialen Netzwerken verbreiten um aufzuzeigen, wie tief dieses Thema in der Gesellschaft verankert ist und dass die betroffenen Personen nicht alleine mit ihren Gedanken sind.
Solltest Du Hilfe brauchen, egal ob bei Mobbing, Depression oder wenn es Dir schlecht geht und keinen Ausweg mehr kennen, wende Dich bitte an das Sorgentelefon unter 0800 / 0 116 016 oder die TelefonSeelsorge unter www.telefonseelsorge.de oder 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222.
Diese Menschen, die hinter diesen Nummern und Adressen stehen, hören Dir zu und können Dir sogar mit banalen Vorschlägen für einen Moment oder auch ein Paar Stunden die Welt ein wenig erhellen. Rufe diese Nummer an bevor Du etwas tust, was Du bereuen könntest.

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