Gerry 365 #315: 11.11. – Serien-Review: »POSE«

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Wie lange habe ich schon kein Review mehr geschrieben. Ich glaub, das letzte Mal ist schon so lange her, da hieß der Blog noch »Sinnesbolognese«. Und ich wollte schon Anfang der Woche darüber schreiben, weil ich diese Serie am Wochenende durchgebinged (oder wie man das nennt) habe. Aber irgendwie hatte ich bisher nicht die Zeit und Energie dafür. Das will ich nun nachholen.
Es ist eine Serie, an der ich weder Kritikpunkte gefunden habe, noch in irgendeiner Form enttäuscht oder gar verschreckt wurde. Herzlich willkommen zum Serien-Review von »POSE«.

Kurzgesagt: Pose spiel im Zeitraum von mitte/ende der 80er bis Mitte der 90er. Es geht primär, um schwarze Transsexuelle, die versuchen, ihren Platz in einer, von weißen Menschen geprägten Welt zu finden. Darunter fallen aber auch die belange der LGBT-Community allgemein.
Auch ein Thema, was sich durch die gesamte Serie, bis zum Ende, zieht, ist HIV- und Aids. Hier geht es um das Recht auf Medikamente und das Überleben.

Anfangs wirkt die Serie tatsächlich weniger spektakulär. Die transsexuelle Frau Blanka verlässt ihr Haus, um ein Eigenes zu gründen. Dazu muss ich aber noch ne Erklärung vorwegschicken. Primär handelt es sich um die sog. Ballroom-Szene. In diesen Ballrooms wetteifern die Häuser, die von Menschen gegründet werden, die anderen ein Zuhause geben wollen, die Keines haben, um gute Bewertungen in verschiedenen Kategorien und die Anerkennung der Community. Die Oberhäubter dieser Häuser werden Mutter bzw. Vater genannt.
Blanka nimmt als erstes Damen auf und schnell folgten auch andere wie z. B. Angel. Damen ist ein schwuler schwarzer und Angel eine wirklich sehr feminine Transsexuelle. Papi und Ricky folgten zeitnah. Ein bisexueller Drogendealer und ebenfalls ein schwuler schwarzer.

Schnell spielten sich fast alle Haupt- und Nebencharaktere in mein Blutzirkulationsorgan. Es werden die Geschichten erzählt, wie sie von ihren Eltern geschlagen, missbraucht und rausgeworfen wurden. Sie suchen alle ihren Platz im Leben mit völlig verschiedenen Träumen.
Mutter Blanka stampft aus dem nichts ein eigenes Haus aus dem Boden. Das »House of Evangelista«. Und ich muss gerade echt aufpassen, nicht die ganze Geschichte auszubreiten. Daher wechseln wir mal kurz die Figur. Nämlich die männliche Hauptrolle.

Pray Tell, ein schwarzer, schwuler Enddreißiger, der sich seinen Platz in der Community zwar erkämpft hat, jedoch im Laufe der Serie immer weiter seine Maske fallen lässt und zeigt, wer er wirklich ist. Gespielt vom fantastischen Billy Porter, gehört er zu den, in meinen Augen, hochkarätigen Darstellern dieser Serie.
Allgemein tauchen immer wieder mal bekannte Gesichter auf, die man z. B. aus American Horror Story kennt. Kein Wunder: Einer der Regisseure ist Ryan Murphy, der schon AHS, Glee und einige andere fantastische Serien aus den Boden gezogen hat.

Ich weiß gar nicht, ob ich noch weiter erzählen soll oder einfach nur sagen soll, wie toll ich diese Serie eigentlich finde? Die Serie hat alles, was ich mir als Serienjunkie nur wünschen kann: Drama, Tod, depressive Momente, Traurigkeit und auch sowas wie … Liebe und Leidenschaft.
Auch wenn es historisch gesehen vermutlich nicht viel mit der Realität zu tun hat, spiegelt diese Serie wunderbar wieder, wo die Probleme im o. g. Zeitraum in Amerika lagen und teilweise heute noch liegen. Der Kampf um Anerkennung, um Gesundheit und vor allem, um einen Platz zu finden, der zu einem passt.

Im Laufe der drei Staffeln, lernt man eine Welt kennen, die fantastisch und tragisch zugleich ist. Eine Welt, in der man ein Teil sein möchte und auch wieder nicht. Einer Welt, die um Aufklärung und ihre Rechte kämpft. Einige schaffen es. Andere scheitern.
In der Serie geht es genau darum: Ums Scheitern und die Kraft aufbringen, wieder aufzustehen. Um das Verlieren, liebgewonnener Charakter und das ins Blutzirkulationsorgan aufnehmen von Charakteren, die man anfangs nicht mochte.

Jeder einzelne Charakter in dieser so fantastischen Serie, durchlebt seine eigene Entwicklung. Seine eigenen Zweifel. Sein eigenes, nicht immer schönes, Ending. Und besonders Electra, zu der ich einfach nicht viel Sagen will, da man sie gesehen haben muss, hat immer wieder alles auf eine Karte gesetzt, um das zu kriegen, was ihr, ihrer Meinung nach zusteht.
Ich könnte Stundenlang weiter machen und die ganze Story herunterlabern. Aber eigentlich möchte ich, dass ihr der Serie eine Chance gebt und sie schaut. Diese Serie ist auf Netflix zu finden. Und mit 3 Staffeln mit je 7-10 Folgen (insg. 26) ist sie auch recht kurz.

Erlebt eine kleine Zeitreise und die Gefühle, die euch immer wieder ein wenig das Wasser in die Augen schießen lassen. Lernt die Ballroom Szene und deren spektakuläre Outfits kennen und die Intrigen, die gesponnen und manchmal auch verhindert werden.
In diesem Sinne:

Live. Werk. POSE!

Gerry

4 Kommentare zu „Gerry 365 #315: 11.11. – Serien-Review: »POSE«“

  1. dogger4Cry dogger4Cry dogger4Cry dogger4Cry

    So schöne Worte von dir zu lesen *schluchtz dogger4Cry

    Aber die Serie ist wirklich toll und mitreißend. Tatsächlich ist sie nicht 1zu1 zu übernehmen aber doch sehr nah an der Geschichte dran.
    Auch das Finale stimmt fast (bis auf das aussehen der lokation)

    Ich werd sie im Dezember auf jedenfall nochmal guggen. Eingemümmelt in eine Decke auf der Couch mit nem leckeren kakao.

    Der Suri dogger4Comfy

  2. Pingback: Gerry 365 #325: 21.11. – Serien-Review: »ARCANE« - DogGerry

  3. Nachdem ich nun fertig bin und die Serie komplett geschaut habe: eine tolle Serie, wobei für mich persönlich die zweite Staffel etwas sehr viel dramatisch war, wurde aber zum Ende der Staffel doch wieder besser.

    Auch die Integration der Charaktere nach dem Tod war toll umgesetzt und die Geschichte insgesamt sehr schön dargestellt und umgesetzt.

    Eine mitreißende Serie die viele Themen behandelt und auch gut darstellt, grade auch den Kampf den die meisten austragen müssen
    dogger4Comfy dogger4Luv dogger4Cry dogger4Yay

  4. Pingback: Gerry 365 #360: 26.12. – Heute nur der COUNTDOWN: 5 - DogGerry

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