Gerry 365 #200: 19.07. – Probleme innen lösen, um nach außen zu kämpfen

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Heute möchte ich den Blog mit einem Zitat vom Zwergbärchen eröffnen, welches auf Twitter und Facebook zu finden ist:

»Eigentlich bräuchten wir unsere Kraft für anderes, ja. Aber leider beobachte ich die Zunahme intoleranter Queeraktivistinnen und -feministinnen in unserer ach so bunten Community. Also müssen wir, wenn wir nach Außen was bewirken wollen, wohl erst mal wieder Innen anfangen.«

Ich habe heute mal das Wochenende Revue passieren lassen und bin nochmal durch die Kommentare gegangen, zu der ganzen CSD Bremen Geschichte. Und eine Sache hat mich doch sehr entsetzt.
Wie viele queere Menschen eigentlich verklemmt sind und ein Stock im Arsch haben. Und soweit ich das überblicken kann, handelt es sich zum größten Teil um Stinos, oder um (Und das ist nur eine Vermutung) Menschen, die sich einfach nicht trauen, zu einem Fetisch den sie verfolgen zu stehen.

Unter anderem sind Aussagen gefallen wie »Richtige Entscheidung! Fetische gehören in den privaten Keller. Die eigentliche Botschaft des CSD verwässert immer mehr.«. In einem Punkt stimme ich zu: Die Botschaft der meisten CSDs verwässert. Aber das liegt nicht an der queeren Gruppe, die gerade in den Anfängen des CSDs vieles für uns getan hat.
Ich seh den Grund eher in was anderem. Und zwar, und das betrifft das gesamte Spektrum der queeren Community, daran, dass CSDs eher als riesige Partys missbraucht werden.

Überall gibt es laute Musik und, das ist zumindest das, was ich erlebt habe, der Alkohol fließt in rauen Mengen. Man hört keine Parolen, die aufzeigen sollen, wofür wir eigentlich laufen. Zumindest nicht in dem mittlerem und hinterem Bereich des Umzugs. Auch die Plakate wurden meiner Erfahrung nach, von vorn, sehr themenbezogen, nach hinten, eher themenneutral gestaltet.
Die Verwässerung liegt nicht an einer bestimmten Gruppierung. Sie liegt daran, dass die Teilnehmer es mehr als Party wahrnehmen. Und daran müssen wir arbeiten. Und das ist nicht die Aufgabe der CSD Vereine. Das ist die Aufgabe von jedem einzelnen Teilnehmer.

Allerdings finde ich die Aussage »Fetische gehören in den privaten Keller.«, oder was ich auch gelesen habe »Fetische gehören ins Schlafzimmer hinter verschlossenen Türen.« Sind in höchstem Maße diskriminierend. Das ist, als ob man uns sagen würde »Go back to the closet.«. Und da kommen wir zum Zitat von Zwergbärchen.
Wie können wir für unsere Rechte eintreten, wenn wir uns innerhalb dieser riesigen Community aus LGBTQIA* Menschen, selbst so unfassbar intolerant sind. Es findet eine Art der Diskriminierung statt, gegen die wir nach außen hin kämpfen aber selbst anwenden. Und das ist ein Paradebeispiel für Heuchelei.

Es wird von diesen Menschen vermittelt, dass Fetisch etwas ist, was man verstecken muss. Was verteufelt gehört. Und diese Menschen sollten sich einmal mit dem Ursprung und der Geschichte des CSDs auseinandersetzen. Mit den Stonewall Aufständen. Wer damals für unsere Rechte gekämpft hat. Und ich empfehle den Crash-Kurs von Wikipedia.
Wir sollten aufhören uns so anzugehen. Wir sollten begreifen, dass unterm Regenbogen, den wir für unsere Zwecke Gebrauchen, Platz für alle Menschen ist. Ob Hetero-, Homo-, Bisexuell, Trans, Non-Binary … und jeder, der hier nicht genannt wird. Es sei denn ihr wollt uns schaden. Dann … eher nicht.

Und wir schaden uns! Mit solchen Aussagen, die z. B. gegen Fetisch-Aktivisten getätigt werden, schaden wir der ganzen Community. Es wird ein Bild projiziert, was uns im schlimmsten Falle auch lächerlich erscheinen lässt. »Du mobbst mich. Ich mobbe dich. Wir mobben uns alle gegenseitig.« Das wird nach außen getragen.
Und wenn dann auch noch vereine die Diskriminierung so offen zur Schau stellen, und später meinen, es als Missverständnis darstellen zu wollen, sollten wir wirklich überlegen, ob wir außerhalb der CSD-Saison nicht mal wieder ein wenig Aufklärungsarbeit bei uns leisten.

Und ja, liebes Zwergbärchen. Wir bräuchten unsere Kraft für viele andere Dinge. Für die Community-Arbeit. Für persönliche Sorgen und Kämpfe. Aber stattdessen wird die Energie momentan in Diskriminierung in den eigenen Reihen gesteckt.
Jeder der sich als queere/r AktivistIn oder Feministin sieht, sollte überdenken, für was wirklich gekämpft werden sollte und nicht den Stöckelschuh nach denen werfen, die ebenfalls für die Rechte kämpfen.

Dies war nun der letzte reguläre GERRY365-Blog für die nächsten 15 Tage. Ab morgen beginnt das Projekt »ANGST – Staffel 2«. Genaueres dazu gibt es morgen in der Einleitung des Projekts und ich hoffe, dass wie letztes Jahr, viele Mitlesen und ich hoffe, dass man mich danach vielleicht noch besser kennenlernt.

Bis dahin wünsche ich euch allen einen schönen und möglichst stressfreien Start in die neue Woche.

Gerry

4 Kommentare zu „Gerry 365 #200: 19.07. – Probleme innen lösen, um nach außen zu kämpfen“

  1. Ich finde, dass da auf beiden Seiten extrem viel verallgemeinert wird, bis man irgendwie nur noch liest “Fetisch? Nein Danke!” und “Fetisch! Aber nur!”. Aber da gibt es einiges an Grauzonen dazwischen. Ich würde jetzt nicht jeden Fetisch verteufeln wollen, nur weil ich es nicht mag, und ganz recht nicht ins hinterste Eckchen stopfen, damit ich es nicht sehen muss. Kleidungsfetisch zum Beispiel stört mich null, da kann von mir aus jeder rumlaufen wie er will, gerne auch öffentlich. Erst wenn es an die ekligen Dinge geht sag ich, macht das doch einfach daheim. <_<

    Ich kann aber aus eigener Erfahrung bestätigen, dass solche queeren Aktionen generell nur als Party betrachtet werden, von allen Seiten. Wir hatten hier in meinem Kaff ja auch mal eine Queer Party einmal im Monat, aber das war nur Disco, tanzen und saufen. Da haben sich einfach nur alle von der Szene getroffen und immer dieselben. Kennen lernen und wer weiß noch hatte dort niemand im Sinn, die kannten sich alle schon im Vorfeld. Wirklich ausnahmslos alle. Da hat dann auch niemand Diskriminierung geschrien oder sonst was.

    Und diese unterschiedlichen Ansichten von Leuten, die nur Party machen wollen, und solchen, die alles anprangern wollen was ihnen nicht passt, wirft dann ein schlechtes Licht auf den Rest. Ich bin ja z. B. auch nicht jemand, der seine Sexualität anderen auf die Nase bindet, außer man fragt. Nur hat das bei mir nix mit verklemmt sein zu tun (nun wirklich nicht dogger4NotSure ), sondern einfach damit, dass ich finde, dass das niemanden etwas angeht außer denen, die tatsächlich mal mit mir Sex haben wollen. Und dann vielleicht Freunde/Familie. dogger4Shrug

    Was das öffentliche Präsentieren von Fetischen angeht, da wäre es mir bis auf einen eigentlich ziemlich egal, weil die ja schon ziemlich Gang und Gebe sind, aber der letzte wäre mir durchaus peinlich. dogger4Derp

    1. dogger4Hi liebster Gerry dogger4Luv

      Du machst mich ja noch zum Promi. dogger4UwU Nicht das ich dann bald ins Dschungelcamp muss. dogger4OMG

      Späßle.
      Danke fürs aufgreifen meines Zitats. Es wird sicher Thema der LFC (Dachverband der deutschsprachigen Fetisch-Clubs) werden, was in Bremen abgeht und was die Ferischvereine Stunden können hier noch mehr zu sensibilisieren.

      Fetischisten wurden ja schon immer mehr außen vor behandelt aber so offensiv ausgegrenzt zu werden ist ein neues Level.

      Stay Proud, keep loud

      Der Suri dogger4Comfy

  2. was soll man sagen… WIe so oft, sind die, welche Toleranz usw. fordern, die, welche das selbe mit Füßen treten…
    Die Ignoranz, fehlende Akzeptanz und fehlende Toleranz ist innen – gefühlt – teilweise noch größer als von außen.
    Während außerhalb des Ganzen die Leute es dann einfach ignorieren, wird von innen mit einer teils aggresivität an Sachen rangegangen wo man nur dogger4Facepalm machen kann…

    Und genauso bei den Demos, viele Wissen wahrscheinlich nicht einmal, was das Thema eines CSD ist, wenn man die fragen würde. (Wobei manche Mottos genauso bescheuert sind dogger4Shrug ).

    jetzt bin ich aber gespannt, auf das Projekt dogger4Nom dogger4Sip

  3. Pingback: Gerry 365 #356: 22.12. – Der Fall Chris Noth, COUNTDOWN: 9 - DogGerry

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