Gerry 365 #181: 30.06. – Vaterlos

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Es gibt eine Sache, die ich mich nun seit 3 Jahrzehnten frage. Wie wäre es, wenn ich mit einer Vaterfigur aufgewachsen wäre? Mein Erzeuger war ja der Meinung zu behaupten, ich wäre nicht sein Kind. Zumindest wurde mir dies so erzählt.
Ein Vaterschaftstest hat dann für Klarheit gesorgt.
Ich habe diesen Menschen nie kennengelernt. Ich weiß nicht mehr, ob diese Person noch lebt. Auch sonst weiß ich nicht viel, außer dem, was in der Geburtsurkunde steht und wie er bei der Hochzeit aussah. Und das ich wohl noch einen behinderten Halbbruder haben soll, den ich aber ebenfalls nie kennenlernen dürfte, was mir an dieser Stelle schon leidtut.

Was mir auch Leid tut ist, dass ich einen Teil Familie meines Erzeugers kennengelernt habe. Sehr unangenehme Menschen. Wenn mein Erzeuger auch so ist … Meh.
Allerdings habe ich im Laufe meines Lebens durchaus drüber nachgedacht, nach ihm zu suchen.
Im Laufe der Zeit haben mir viele Menschen erzählt, was ihre Väter mit ihnen machen. Was für gute Verhältnisse sie zu ihnen haben. Natürlich auch das Gegenteil. Davon gibts mehr als genug. Aber auf die guten Geschichten war ich immer sehr neidisch. Ich wollte sowas auch.

Es kamen immer neue Männer in das Leben meiner Erzeugerin. Aber die meisten waren strohdumm. Also wirklich … Dumm. Oder viel zu Jung, um eine Frau mit zwei Kindern richtig händeln zu können. Darunter war eher keine Vaterfigur. Eher Fickmaterial für mich. (Ja es gab zwei Kerle, mit denen hätte ich was angefangen, so heiß waren die. Die waren aber auch nicht viel älter als ich.)
Die meisten haben nicht mal versucht, wie ein Vater zu sein. Oder Kumpel. Mir gegenüber zumindest nicht. Ich war ja schon immer komisch dogger4Sip . Aber gerade als Kind / Jugendlicher, wenn andere von ihren tollen Vätern erzählen, hat man jedes Mal die Hoffnung, dass Vatermaterial dabei ist. Aber wenn keines dabei ist …

Ich wünschte mir schon ein wenig, dass ich »männlichen Einfluss« auf meine Erziehung gehabt hätte. Aber nicht so wie einer der Typen es tat. Mit Schlägen. Sondern eher mit einer schweren Hand auf der Schulter, und der dem diese gehört sagt »Ich bin stolz auf dich« oder »Das bekommen wir schon hin« oder sogar »Das bring ich dir bei«.
Das ist auch irgendwie so eine Lücke in mir, die nie gefüllt werden kann. Und klar könnten meine Männer, mein Bruder im Geiste oder so das tun. Aber letztendlich, ist es nicht das Gleiche, wie wenn ein Vater es täte.

Natürlich gibt es auch Gegenteile. Schlechte Väter oder unzuverlässige. Und Arschlochväter gibt es natürlich auch.
Ich werde daran nix ändern können. Selbst wenn ich meinen Erzeuger nun finden würde, oder er mich findet. Es würde nichts mehr ändern. Aber vielleicht hätte mir dieser Einfluss einige Dinge erspart im Leben.

Wie ist es mit euren Vätern? Waren sie gute Dads oder eher nicht so? Mich würde das wirklich interessieren.

Ich wünsche euch einen schönen Tag.

Gerry

5 Kommentare zu „Gerry 365 #181: 30.06. – Vaterlos“

  1. Mein Paps hat sich ziemlich bemüht. Aber die meisten Interaktionsversuche gingen eher nach hinten los. I’m complicated. dogger4Derp Er und viele andere in meinem Familienkreis kamen gar nicht mit mir klar. Zum Teil weil ich so ein Schisserchen war. dogger4Hehe Jahrelang hatten wir uns quasi entfremdet und beide Angst vor einander. Ich, weil er mir fremd war und er, weil er nix falsch machen wollte. Irgendwann später hat sich das aber auch wieder eingepegelt.

    Kann aber nur bestätigen, solche Dinge wie “ich bin stolz auf dich” vom leiblichen Vater zu hören motiviert extrem. Ich weiß nicht wie viele Dinge ich gar nicht erst gemacht hätte, hätte es nicht immer seine Kommentare aus dem Hintergrund gegeben. dogger4Think

    Ich glaube aber auch, dass es vielleicht besser ist, im Ungewissen zu bleiben in diesem Fall. Vor allem wenn ich mir so den Rest von deiner Familie anschaue… es wäre unschön, wenn es väterlicherseits genau so ausschaut. Ich geb zwar nix auf das, was man dir über ihn erzählt hat, angesichts dessen von was für einer Person diese Zeilen kommen dogger4Shrug aber jeder kann auf seine eigene Art ein Arsch sein, so oder so.

    Für mich zählt das Endergebnis und im Falle Gerry find ich ist das Resultat gelungen. dogger4Luv Auch wenn der Weg dahin für dich sicherlich angenehmer hätte sein können.

  2. dogger4Hi Liebster Gerry dogger4Luv

    schweres Thema für einen Mittwoch.
    Das mit der schweren Hand auf der Schulter kann ich nachempfinden. Hatte ich bis November 2017 auch nicht. Da habe ich mir selbst auf die Schulter gepackt und gesagt: “Das hast du gut gemacht”, “Ich bin stolz auf dich”. Ich habe einen Vater aber eine wirkliche Beziehung zu ihm hatte ich nie. Ich sollte immer helfen wurde aber immer nur kritisiert aber nie gelobt. Gut. Hat er selbst nie gelernt wie sich das anfühlt, wie soll er es also weitergeben? Ich bin zu dem geworden wie ich bin, weil ich so werden wollte. (Naja gut. N paar leichte Abwandlungen sind vorhanden und die Superkräfte fehlen dogger4Derp )

    Der Einfluss unserer Familien beeinflusst unsere Entwicklung. Aber wäre sie anders gewesen, wären wir heute wahrscheinlich an anderen Punkten im Leben. Warscheinlich nichtmal mit den Menschen, die wir heute lieben. dogger4Think

    Ich kann nicht sagen das ich stolz bin auf dich, Gerry. Denn ich persönlich finde, das Stolz etwas ist, was man selbst auf sich und nicht auf andere sein sollte. Ich finde toll wer du bist und was du tust. Du bist, trotz und gerade wegen all deiner Vergangenheit zu einem offenherzigen, ehrlichen und stehts bemühten, süßen Kerl geworden. Natürlich mit ganz vielen Macken aber die machen uns Menschen doch aus. dogger4Luv

    So und bevor ich jetzt losflenne mach ich hier mal Schluss dogger4Cry

    der Suri dogger4Comfy

    P.S. ich empfehle den Elton John Film “Rocketman”. Die letzte Szene ist genau der Schlüssel, den ich denke, den viele brauchen sich selbst anzunehmen. (Triggerwarnung: ich heul da immer dogger4Cry )

  3. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen: Du hast nicht viel verpasst.

    Was du dir da ausmalst, ist ein Familienbild, wie es eher in Filmen vermittelt wird. Das reale Leben sieht bei dem Großteil vermutlich anders aus, auch wenn es sich kulturell in einzelnen Ländern durchaus unterscheidet.

    Wie du ja weißt, bin ich selbst mit und teilweise bei meinem leiblichen Vater aufgewachsen. Wirklich viel von dem, was du als “Lücke” siehst, habe ich aber auch nicht bekommen. Hier und da mal einen Schulterklopfer und ein “hast du gut gemacht” wurde nebenbei fallen gelassen und wirkte mehr “pflichtmäßig eingeworfen”. Eine richtige Vater-Sohn-Beziehung ist aber auch bei mir nie wirklich zustande gekommen. dogger4Shrug
    Als Tochter ist man die Prinzessin, als Sohn der Stammeshalter. Wenn diese Erwartungshaltung nicht getroffen wird, denke ich, kann es durchaus zu Spannungen/Enttäuschungen kommen.

    Ich kann hier natürlich nicht für alle Väter und jeden Sohn sprechen.
    Ich denke aber, dass die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen in einer Vater-Sohn-Beziehung bei queeren Söhnen recht hoch ist. Es gibt definitiv Ausnahmen und jeder Mensch wächst anders heran. Die einen haben eher eine Bindung zu ihrer Mutter, die anderen eher zu ihrem Vater und wiederum andere haben überhaupt keine Bindung zu ihrer Blutsfamilie. (Außer zu Omas. Zu denen hat fast jeder ne Bindung dogger4Derp )

    Versteh mich nicht falsch, ich respektiere und liebe meinen Vater als meinen Vater. Letztendlich hab ich aber alles das, was du dir von einem Vater ausmalst, eher von meiner Mutter bekommen.

    Ob ich anders wäre, wenn ich das von ihr auch nicht bekommen hätte? Vermutlich nicht, weil meine Großeltern ebenso ihren Teil dazu beigetragen haben. dogger4Think

    In meinen Augen sind es nicht die Menschen, bei denen wir aufwachsen, die uns als Persönlichkeit ausmachen. Es sind die Menschen, denen wir in unserem Leben begegnen, die uns inspirieren und prägen. Und es sind die Entscheidungen, die wir anhand dieser Begegnungen treffen. dogger4Sip

  4. Pingback: Gerry 365 #355: 21.12. – Was ich noch zu FFXIV sagen wollte, COUNTDOWN: 10 - DogGerry

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