30 Tage Freiheit – Prolog

Solange ich denken kann, kenne ich kein anderes Leben. Das Leben im Rollstuhl. Keine Kontrolle über den eigenen Körper und das Leben zu haben und jeden Tag, Jahr für Jahr, sehe ich die gleichen Fratzen die mich bemuttern. Dabei will ich das gar nicht?

Was ich habe? Das ist nicht von Belang. Es geht einzig und alleine darum, wie ich doch einen Hauch von Freiheit erreicht habe.

Ein üblicher morgen. Meine Augen öffnen sich, nach einer weiteren Nacht unbequemen Schlafes. Ich lenke meine Augen nach links, wo in der Regel Isa stand wenn ich aufgewacht war. Doch ihr Platz ist leer. Niemand steht dort.

Die Stille in meinem Zimmer ist ungewohnt friedvoll. Kein allmorgendliches Gezeter wie schlimm doch mein Bett wieder aussieht und das man doch nicht jeden Tag Wäsche waschen könne. Es sei zu teuer. Innerlich lachte ich jedes mal und dachte jeden morgen: warum machst ausgerechnet du dir darüber Gedanken? Du weißt, dass Geld das geringste Problem von mir ist.

Doch dieser morgen ist anders. Ich fühle die unangenehme Nässe meiner Matratze. Doch die Ruhe die in meinem Zimmer herrscht, überlagert jedes unangenehme Gefühl, welches ich die letzten Jahre gespürt habe.

Ich lasse meine Augen über meine Zimmerdecke gleiten. Mein Sichtfeld ist gering, doch nie sind mir die kleinen Fehler in der Zimmerdecke aufgefallen. In Gedanken beginne ich zu schmunzeln. Schon sehr lange habe ich morgens nicht so entspannt geatmet wie heute. Ich bemerke zum ersten mal, dass ein leichtes Fiepsen durch die Fenster kommt. Jedenfalls glaube ich, dass es aus der Richtung des Fensters kommt.

Schritte unterbrechen meine morgendliche Entspannung. Schwere Schritte. Ich kenne sie. Es sind die Schritte meines Onkels, der Nachlassverwalter meiner Eltern.

Ich höre das quietschen der Klinke und nur wenige Sekunden später beugt sich mein Onkel über mich.

„Guten morgen, Elias. Ich hoffe Du hast gut geschlafen?“ spricht er mit ruhiger, jedoch sehr gefasster, Stimme. Ich wage zu behaupten, dass mein Onkel der einzige Mensch ist, der versucht mich zu verstehen. Auch wenn er ebenfalls der Meinung ist, dass ich nicht denken, geschweige denn Reaktionen von mir geben kann. „Ich habe eine schlechte Nachricht für dich…“ sagt er und senkt den Blick. Als ob ihn mein fragender Blick durchbohrte, beginnt er, mit seiner sehr angenehmen Stimme, dass zu sagen, was er nicht sagen möchte. „Die Hausdame Isa, welche sich schon so lange um Dich kümmerte, ist heute morgen nicht mehr aufgewacht.“ er verstummt. Isa? Tot? Ich überlege was ich von dieser Nachricht halten soll. Mein Onkel wusste nicht, wie sie wirklich war. Er war zu selten hier.

„Das bedeutet, wir müssen Dir eine neue Pflegerin suchen. Und diesmal, da Du nun alt genug bist, darfst Du mitentscheiden, wer es sein soll.“ ich kneife die Augen so doll zusammen, wie ich nur kann, um meine Zustimmung zu zeigen. Doch er scheint es nicht zu bemerken und ruft drei Menschen herein.

Da die Menschen nun in meinem Zimmer stehen, richtet mein Onkel das Kopfende meines Bettes auf. Ich kann sie nun auch betrachten. Eine Frau und zwei Männer. Die weibliche Kandidatin erinnert mich sehr an Isa. Die Steife Haltung. Das versteinerte Gesicht. Um Gottes willen. Bitte nicht.

Nach gefühlten Minuten lasse ich meine Augen zu den männlichen Kandidaten schweifen. Der eine scheint etwas älter zu sein und lächelt mich an. Sieht er mich etwa als „Mensch“? Schießt mir durch den Kopf. Ich blinzle in der Hoffnung, dass er dieses Zeichen als Interesse deutet.

Nun schaue ich mir den letzten Kandidaten genau an.Vielleicht etwas jünger als ich. Schaut sich in meinem Zimmer um und schenkt mir keine Sekunde Aufmerksamkeit.

Ich schließe die Augen. Das Gefühl der Entspannung, welches vor kurzer Zeit das Zimmer erfüllte, ist verschwunden. Mein Kopf ist schwer. Meine Augen ebenso. Ich schlafe ein und hoffe dabei, die Entscheidung beeinflussen zu können. Während ich dämmere, höre ich noch einige Worte meines Onkels. „Meine Dame, meine Herren: folgen Sie mir bitte.“ und die Tür schließt.

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